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Ist Laufen mit Minimalschuhen wie barfuß?

Australische Forscher untersuchten, ob Minimalschuhe den Laufstil wie beim Barfußlaufen prägen, oder eher wie normale Laufschuhe wirken.

Ist das Laufen mit Minimalschuhen wie Barfußlaufen?

Kann das Laufen mit Minimalschuhen das Barfußlaufen imitieren?

Bild: iStockphoto.com / ViktorCap

Es gibt das Laufen mit Schuhen und das Barfußlaufen. Und dann gibt es diese riesige Grauzone zwischen den beiden, die Minimalschuhe, welche auf verschiedenste Arten definiert werden. Aber hat das Laufen mit Minimalschuhen wirklich - wie oft behauptet wird - die gleichen Auswirkungen auf zum Beispiel die Schrittlänge wie das Barfußlaufen? Eine australische Studie, die gerade im British Journal of Sports Medicine veröffentlicht wurde, versucht dies herauszufinden. Die Studie, die am Australian Institute of Sports durchgeführt wurde, untersuchte 22 gut trainierte Läufer, die gewöhnliche Laufschuhe tragen. Ihre Biomechanik wurden während einer Reihe von Läufen im 10-km-Renntempo unter vier verschiedenen Bedingungen analysiert: mit normalen Schuhen; mit Rennschuhen (Nike Luna Racer 2); mit Minimalschuhen (Nike Free 3.0) und barfuß.

Ja, ich weiß, dass der Nike Free 3.0 nicht das ist, was einige Menschen wirklich unter einem Minimalschuh verstehen würden. Dazu kommen wir später nochmal. Zunächst die Studienergebnisse: Kurz gesagt, barfüßiges Laufen unterscheidet sich vom beschuhten Laufen in der Art und Weise, wie es schon andere Studien gezeigt haben.

Die Kniebeugungskräfte.

Bild: runnersworld.com

Im Vergleich mit dem beschuhten Laufen verursacht das Barfußlaufen eine geringere Dorsalflexion des Fußgelenks (Beugung zum Fußrücken) beim ersten Bodenkontakt, weniger Kniebeugung während der mittleren Standphase, weniger Gelenkarbeit am Knie und mehr Gelenkarbeit am Knöchel. Dieses Ergebnis war nach früheren Studien schon zu erwarten. Also keine Überraschung. Aber die eigentliche Frage besteht darin, was die Minimalschuhe hinsichtlich der beiden Extreme geleistet haben.

Grafik 2

Bild: runnersworld.com

Die Knöchel-Inversion.

Die nebenstehende Darstellungen verdeutlichen dies (die dunkle durchgezogene Linie steht für barfüßig, die dunkel gestrichelte Linie für den Minimalschuh, die helle durchgezogene Linie für den Rennschuh und die hell gestrichelte Linie für den Normalschuh).

Die beiden Graphiken sind nicht identisch, aber das grundlegende Muster ist, dass das Laufen mit Minimalschuh dem mit anderen Schuhen viel ähnlicher ist als dem Barfußlaufen. Dazu schreiben die Autoren: Die Knie- und Sprunggelenksmechanik beim Barfußlaufen unterscheidet sich deutlich zu der unter beschuhten Bedingungen, einschließlich des Laufens mit Minimalschuh. Dies zeigt, dass der Minimalschuh die Biomechanik des Barfußlaufens nicht vollständig simulieren kann. Abgesehen von kleinen Unterschieden in der Schrittlänge und -frequenz konnten beim Minimalschuh nur sehr wenig Unterschiede zur Laufmechanik mit anderen Schuharten festgestellt werden, was darauf hindeutet, dass barfüßiges Laufen naturgemäß anders ist als beschuhtes Laufen, so dass verschiedene Schuhe nur wenig Einfluss auf die Laufweise von gut trainierten Läufern haben.

Einige Details sind hier noch von Bedeutung: Zum Einen waren es gut trainierte Läufer, bei denen zu erwarten war, dass deren relativ stetige Laufmechanik an die Schuhe anpasst waren, in denen sie auch normalerweise laufen. Studien belegen, dass weniger gut trainierte Läufer variabler in ihrem Laufstil sind, so dass der Minimalschuh bei ihnen größere Veränderungen hervorrufen könnte. Zum Anderen waren es gewohnheitsmäßige Schuhläufer; es ist durchaus möglich, dass gewohnheitsmäßige Barfußläufer einen ebenso tief verwurzelten barfüßigen Laufstil haben, der sich sogar auf Leichtgewichtsschuhe übertragen würde. Wichtig zu erwähnen wäre noch, dass der Nike Free 3.0 einen 17-mm-Absatz mit leichter Dämpfung und eine 4-mm-Sprengung hat. Im Gegensatz dazu hat der VibramFivefingers zum Beispiel nur eine 3,5 mm-Sohle ohne Sprengung. Nur eine weitere Studie, die die Biomechanik des minimalistischen und barfüßigen Laufens verglich, untersuchte acht Läufer auf dem Laufband (was unter biomechanischem Gesichtspunkt nicht ganz dasselbe ist wie das Laufen im Freien) und fand keine Unterschiede zwischen den barfüßigen und minimalistischen Bedingungen. Doch hier wurden auch nur diese beiden Bedingungen betrachtet und nicht mehrere wie in der aktuellen Untersuchung.

Letztlich sagt diese Studie aber auch nicht viel mehr über die Leistung ungedämpfter Minimalschuhe aus. Doch eines wird deutlich: Der Free 3.0 - und viele andere Minimalschuhe auf den Markt, ähneln aller Wahrscheinlichkeit nach viel mehr einem Schuh als einem Nicht-Schuh. Und er ist auch nicht mit einem Leichtgewichtsschuh vergleichbar: zumindest für die gut trainierten Läufer war der Minimalschuh bezüglich der Biomechanik von ihren normalen Laufschuhen nicht zu unterscheiden, obwohl die normalen Schuhe bedeutend mehr gewogen haben (durchschnittlich 323 Gramm im Vergleich zu den 195,5 Gramm des Free 3.0).

P.S. Das klingt wie eine Anklageschrift gegen den Free 3.0, aber es ist auch möglich, es von einer anderen Seite zu sehen. Wenn der ultraleichte Free exakt dasselbe leistet wie der normale Laufschuh, dann müsste dies doch ein ziemlich guter Ansporn für Sie sein, auf den Free umzusteigen: Gleiche Biomechanik, aber weniger Energie, um den Schuh zu bewegen!

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