Smartwatch im Test

Ist die neue Apple Watch mit GPS eine echte Alternative für uns Läufer?

Die zweite Generation der Apple Watch soll eine echte Alternative für Läufer sein. Ob und für wen sich der Kauf der Smartwatch lohnt, verraten wir in unserem Test.

Apple Watch Series 2 und Watch Nike+ im Test: 9 Fotos

Apple Watch 2 Nike+

Die zweite Generation der Smartwatch von Apple gibt es in zwei Versionen und vielen Farben: links die normale Series 2 und rechts das Modell Nike+.

Bild: RUNNER'S WORLD

Eingebautes GPS und wasserdichtes Gehäuse: Als Apple Anfang September die zweite Version seiner Smartwatch vorstellte, war die Begeisterung über diese beiden Neuerungen groß. Die Spezifika der brandneuen Apple Watch 2 und des speziell für Läufer entwickelten Sondermodells Apple Watch Nike+ klingen nach ausgereiften Sportuhren – und nach echten Alternativen. RUNNER’S WORLD hat die Apple Watch Serie 2 einen Monat lang ausgiebig getestet und durfte auch den Nike-Ableger bereits vor dem Erscheinungstermin ausprobieren. Da beide Versionen über identische Hardware verfügen, sind die folgenden Ergebnisse des Tests auch auf beide Uhren übertragbar. Auf die Besonderheiten der Apple Watch Nike+ gehen wir im vorletzten Punkt unseres Tests ein.

Smartwatch mit eingebautem GPS

Der wohl größte Unterschied zum Vorgänger, und das, was die 2. Apple-Watch-Generation auch für uns Läufer so interessant macht, ist der eingebaute GPS-Sensor. Bediente sich die erste Version der Smartwatch aus Cupertino noch ausschließlich beim Smartphone als GPS-Empfänger, kann man nun getrost ohne Handy auf die Laufrunde. Und das taten wir dann auch – die Einrichtung der Uhr mittels iPhone beschreiben wir hier nicht. Nur so viel: kinderleicht. So liefen wir dann also los: am linken Handgelenk die Uhr von Apple, rechts die Fenix 3 von Garmin zum Vergleich. Ein Unterschied fällt direkt auf, denn während die Fenix 3 die Satelliten-Suche grafisch anzeigt, zählt bei der Apple Watch ein Countdown herunter. 3, 2, 1, Start! Kein Symbol verrät, ob die Smartwatch wirklich ein GPS-Signal gefunden hat. Weiß die Uhr, wo man steht? Die Auswertung der Aufzeichnung nach dem Lauf zeigt: ja. Start und Ziel liegen tatsächlich dort, wo wir gestartet sind. Aber die Auswertung zeigt auch: Die Apple Watch misst etwas zu lang. Unsere Standard-Mittagspausenrunde ist 10,7 Kilometer lang – das ist der Schnitt von unzähligen Läufen mit unzähligen GPS-Uhren. Die Apple Watch hat bei den allermeisten Läufen auf dieser Runde eine Länge von 10,9 Kilometer gemessen. Die aufgezeichnete Strecke, die man sich später am iPhone anschauen kann, gibt keine Erklärung für diese Abweichung. Sprünge in der gelaufenen Strecke gibt es nicht, dafür macht die Apple Watch aus scharfen Knicken gerne mal sanfte Kurven. An Ecken, wo man im 90-Grad-Winkel abgebogen ist, sieht man dann auf der Karte eine geschwungene Linie – mitten durch Gebäude hindurch. Vielleicht zeichnet die Uhr das GPS-Signal nicht sekündlich, sondern in einem gröberen Zeitintervall auf. Die Abweichung von knapp zwei Prozent geht jedoch völlig in Ordnung. Wie bei den meisten gängigen GPS-Pulsuhren springt die Anzeige der aktuellen Pace immer etwas hin und her. Wer wissen möchte, wie schnell er unterwegs ist, sollte sich jeden Kilometer als automatische Runde anzeigen lassen. Die Auswertung dieser Kilometer-Splits zeigt dann übrigens, dass man mit der Uhr schneller ist als mit anderen GPS-Uhren (siehe nächstes Foto). Apropos Auswertung: Wir haben lange nach einer Möglichkeit gesucht, die aufgezeichneten Einheiten auf der Uhr anzuschauen. Letztlich fanden wir heraus, dass dies gar nicht geht. Wer sehen möchte, welchen Kilometer er in welcher Pace gelaufen ist, muss die Aktivitäts-App auf dem iPhone bemühen. Ach ja, ein iPhone (mindestens iPhone 5 und iOS 10) ist im Übrigen unerlässlich, ohne das, lässt sich eine Apple Watch nicht aktivieren, nicht einstellen, nicht benutzen.

Wichtig: Noch nutzen nicht alle Aktivitäts-Apps den eingebauten GPS-Sensor. Strava und Runtastic wollen diese Funktion jedoch schnell nachliefern.

Im Vergleich zur Garmin Fenix 3 (links) misst die Apple Watch länger und einzelne Kilometer entsprechend schneller.

Bild: RUNNER'S WORLD

Gehäuse mit integriertem Pulsmesser

Die Herzfrequenz konnte bereits die erste Apple-Watch-Generation mittels integrieten LEDs ermitteln, die an der Gehäuseunterseite angebracht sind. Auch die zweite Version kann das – und kann es richtig gut. Je nachdem wer von unseren Testläufern mit der Uhr unterwegs war, lag die durchschnittliche Herzfrequenz je Kilometer gerade mal 0 bis 4 Schläge neben den Werten, die oben erwähntes Garmin-Modell mittels Brustgurt bestimmte. Was jedoch auffiel, waren vereinzelte Aussetzer während einer Einheit, in denen für einige Sekunden völlig unrealistische Werte angezeigt wurden. Besser wurde das erst, nachdem wir das Armband bei jeder Einheit wirklich fest gezogen haben. Für einige Tester war damit jedoch auch der Tragekomfort dahin. Übrigens misst der Pulssensor wie alle Uhren mit dieser Technik bei stark behaarter Haut und kälteren Temperaturen ungenauer. Gleiches gilt, wenn man schnell läuft und den Arm samt Uhr sehr stark hin und her bewegt.

Display mit mehr Helligkeit

Ja, der kleine Farbbildschirm der zweiten Apple-Watch-Generation soll doppelt so hell sein wie beim Vorgänger. Messen können wir das nicht, aber in der Tat ist das Display auch an einem sonnigen Tag sehr gut ablesbar. Die Standard-Workout-App erlaubt die Darstellung von maximal fünf Datenfeldern in völlig ausreichender Größe. Schaut man nicht auf die Uhr, schaltet sich das Display ab, um den Akku zu schonen. Hebt man die Uhr, schaltet sich das Display aber blitzartig an. Nur sehr, sehr selten bleibt das Display mal schwarz, nachdem man den Arm gehoben hat.

Akku mit mäßiger Ausdauer

Knapp fünf Stunden – so lange könnte man mit der Apple Watch am Stück Laufen. Bedenkt man die weltweiten Marathon-Durchschnittszeiten (4:20:13 Stunden für Männer und 4:45:30 Stunden für Frauen), würden die allermeisten Läufer also einen Marathon schaffen. Das gilt allerdings nur für einen vollständig aufgeladenen Akku. An einem Tag, an dem die Uhr den ganzen Tag über am Handgelenk war und wir abends nach Feierabend eine Runde drehen wollten, machte die Apple Watch gerne auch mal nach 60 Minuten schlapp. Wer mit der Uhr trainiert, muss sie täglich aufladen. Wer sie lediglich als Smartwatch benutzt, kommt auch schon mal zwei Tage mit einer Ladung hin. Und wer mit Smartphone und Uhr unterwegs ist, sollte beachten, dass die Apple Watch stets das GPS-Signal des iPhones anzapft, um den eigenen Akku zu schonen, was wiederum dazu führen kann, dass dem Smartphone-Akku die Luft ausgeht. Abstellen kann man das nicht.

Apple Watch 2 Nike+ Trainingsseiten

Bild: RUNNER'S WORLD

Links die Trainingsansicht der integrierten Trainings-App und rechts der Nike+ Run Club App.

Bedienung mit kleinen Tücken

Das Touch-Display der 2. Apple-Watch-Generation funktioniert richtig gut. Drücker, Wischer und Gesten werden ohne Verzögerung umgesetzt. Zwar ist die Bedienung mit einem Knopf sowie einer drück- und drehbaren Krone nicht von Beginn an intuitiv, gelingt aber nach einigen Tagen Eingewöhnung recht gut. Eine Einheit starten geht dann auch echt schnell: Krone drücken, App-Symbol drücken, Aktivität wählen, Start drücken, Countdown abwarten. Während einer Aktivität öffnet ein Wischer nach rechts ein Menü, in dem man das Display sperren, die Einheit pausieren oder beenden kann. Man kann aber auch einfach doppelt auf das Display tippen, um eine Runde zu nehmen, oder man drückt Krone und Knopf gleichzeitig, um die Aufzeichnung zu pausieren. Inkonsequent ist leider, dass die gleichen Befehle in der App von Strava rein gar nichts bewirken und in der Nike+ Run Club App das Doppeltippen keine Runde nimmt, sondern die Aufzeichnung anhält. Auch diese inkonsequente Bedienung führt dazu, dass man jede Eingabe mit einem Kontrollblick auf das Display würdigt, da man von der Apple Watch irgendwie keine so klare Rückmeldung bekommt.

Smartwatch mit zahlreichen Funktionen

Ob und wie man die Smartwatch-Funktionen der Apple Watch Series 2 wirklich nutzt, hängt wohl vom persönlichen Geschmack ab. Ja, es ist nett, wenn ein Blick auf die Uhr reicht, um zu erfahren, wer da gerade eine Nachricht geschrieben hat. Aber keiner unserer Tester nutzte daraufhin die Funktion, auch wirklich mittels Sprachassistent zu antworten. Praktisch ist hingegen die Möglichkeit, die Musikwiedergabe seines Smartphones mithilfe der Uhr zu steuern oder auf der Uhr abgespeicherte Musik abzuspielen – wobei das Abspeichern von Musik auf der Uhr doch etwas umständlich ist. Ansonsten gehört die Uhr sicherlich zum Besten, was man sich als Smartwatch ums Handgelenk schnallen kann. Und natürlich ist die Apple Watch auch ein (beinahe) vollwertiger Activity Tracker, der Schritte, Aktivitätszeit, Kalorienverbrauch, ... aufzeichnet. Einzig ein Schlaftracking ist nach wie vor nicht standardmäßig an Bord. Apps von Drittanbietern schließen diese Lücke jedoch.

Nike+-Modell mit netten Features

Kommen wir zur Apple Watch Nike+. Die hat die gleiche Hardware wie die Apple Watch Series 2 verbaut, verfügt aber zusätzlich über exklusive Nike-Ziffernblätter sowie ein Sportarmband, dass wirklich weicher, belüfteter und somit bequemer ist als die Apple-eigenen. Dazu kommt die Nike+ Run Club App. Die soll "für unerreichte Motivation" sorgen und den Läufer mit Plänen des "weltbesten Trainers" versorgen. Natürlich kann man sich die Nike+ Run Club App mit den gleichen Funktionen auch auf einer normalen Apple Watch nutzen, aber was beim Nike-Sondermodell positiv auffällt, ist die starke Integration der App ins System. So wird man auf dem Homescreen des Nike-Ziffernblatts gefragt, ob man heute Laufen möchte; daran erinnert, dass ein Training ansteht; und bekommt die letzte Aktivität angezeigt. Woran sich Freunde von Daten stören könnten, ist die Tatsache, dass sowohl die Standard-App als auch die App von Nike sich nur bedingt anpassen lassen. Maximal fünf Datenfelder (Zeit, Distanz, Pace, Durchschnitts-Pace und Herzfrequenz) werden einem angezeigt. Mehre Trainingsansichten zum Blättern gibt es (noch) nicht. Beide Hersteller haben jedoch bereits Updates ihrer Apps angekündigt, mit denen weitere Funktionen hinzukommen sollen.

Fazit zur Apple Watch Series 2 und Nike+

Die zweite Apple-Watch-Generation ist dank GPS und wasserdichtem Gehäuse ein guter Laufpartner und begleitet einen auch bei vielen anderen Sportarten. Aktivitäts-, Distanz- und Pulsmessung gehen in Ordnung. Die Zielgruppe würden wir aus Läufersicht jedoch auf Freizeitathleten eingrenzen. Ambitionierte Läufer würden sich nicht nur bei Intervallen und Tempoläufen an der Bedienung stören, sondern auch schon daran, dass jede Einheit in der Standard-App mit einem dreisekündigen Countdown beginnt – ziemlich ungünstig, wenn man am Start eines Rennens die Uhr schon Sekunden vor dem eigentlich Startschuss starten muss. In der Nike+ Run Club App kann man den Countdown indes abstellen. Kurz: Wer eh eine Smartwatch sucht, macht mit der Apple Watch nichts falsch und braucht im Grunde auch keine weitere Sportuhr. Wer jedoch nur eine GPS-Sportuhr möchte, könnte sich für das Geld einer Apple Watch (ab 419 Euro) gleiche mehrere normale Pulsuhren kaufen oder sich ein Modell mit weiteren Funktionen und Sensoren zulegen.