Filmrezension

Hart, härter, Transeuropalauf

Mit dem Transeuropalauf zeigt Regisseur Achim Michael Hasenberg eines der härtesten Laufevents der Welt. Hasenbergs Film "I want to run" ist jetzt im Kino zu sehen.

I Want To Run

Wie Läufer beim Transeuropalauf persönliche und Ländergrenzen überwinden, zeigt der Film "I want to run".

Bild: Zorro Film

64 Tage, 4500 Kilometer und sechs Länder: Wenn man sich die Eckdaten des Transeuropa­laufs (Transeurope-Footrace) ansieht, denkt man: Das kann doch kein Mensch schaffen! Dass es eben doch geht und was ein solcher Lauf für die Teilnehmer bedeutet, davon handelt der Film „I Want To Run“ von Achim Michael Hasenberg, der am 24. Mai in die Kinos kommt.

Über einen Zeitraum von anderthalb Jahren begleitet die Kamera die 67 Teilnehmer des Europalaufs 2009 – von der mehrmonatigen Vorbereitung über den Start im italienischen Bari bis zum Zieleinlauf am Nordkap. Im Mittelpunkt stehen dabei acht ganz unterschiedliche Charak­tere: der routinierte Profi-Läufer Achim Heukemes; der Optiker und Titelverteidiger Robert Wimmer; Elke Streicher, die Bauingenieurin und Ultraläuferin, die 2008 bei der „Tortour de Ruhr“ alle Männer abhängte; Joachim Hauser, der an Multiple Sklerose erkrankte Fami­lien­vater, dem das Laufen Kraft im Kampf gegen sein Schicksal gibt; der französische Friseur Stéphane Pelissier; die Japanerin Hiroko Oki­yama, die beim ersten Transeuropalauf im Jahr 2003 vorzeitig aufgeben musste; und die schwedischen Offiziere Andreas Falk und Mattias Bramstång.

Viel Zeit alleine mit sich und ihren Gedanken verbringen die Teilnehmer auf dem Lauf durch sechs Länder.

Bild: Zorro Film

Mental und physisch herausfordernd

Eine solch übermenschliche Anstrengung wie der Transeuropalauf zeigt dem Menschen seine Grenzen auf. Nicht nur physisch, sondern vor allem psychisch müssen die Läufer dabei über sich hinauswachsen – der Untertitel des Films „Das härteste Rennen der Welt“ ist wahrlich kein Mar­keting-Gag. Zwar gewinnt auch bei dieser Extrem-Interpretation eines Ultra­laufs am Ende der Schnellste. Die Herausforderung besteht aber vor allem darin, gut zwei Monate lang jeden Tag aufs Neue die Willenskraft aufzubringen, nicht aufzu­geben, sondern sich trotz aller Blessuren und der maßlosen Erschöpfung weiter zu schinden.

Der Tagesablauf der Läufer besteht auf den 64 Etappen aus nichts als Laufen, Essen und Schlafen. Einzig auf der Überfahrt von Kiel nach Stockholm können sie kurz entspannen, Freunde und Verwandte wiedersehen. Danach geht es weiter, Pausentage sieht der Streckenplan nicht vor. Besonders hart sei es, erklärt Stéphane Pelissier, über den langen Zeitraum von seiner Familie getrennt zu sein – allein mit sich und den Qualen des Laufs. Um den Stress seelisch verkraften zu können, hat er in der Vorbereitung Meditation geübt.

Die Kamera fängt den Stimmungswandel der Teilnehmer im Verlauf des Rennens schonungslos ein: Beim Start im sonnigen Süditalien sind sie noch gut gelaunt und guten Mutes, doch auf den letzten Kilometern laufen sie nur noch als Nervenbündel durch den eisigen Nordwind. „Mental, psychisch: völlig leer“, beschreibt Joachim Hauser den Zustand. Als die Läufer dann am nördlichsten Punkt Europas das Ziel erreichen, gibt es keine überschwänglichen Jubel­stürme, sondern leise, unaufgeregte Freude und teils ausdruckslose, niedergeschlagene Gesichter.

I want to run

Bild: Zorro Film

In den 64 Tagen des Transeuropalaufs wachsen die Teilnehmer zu einer Leidensgemeinschaft zusammen.

Preisgekrönte Dokumentation

Als Läufer hätte man sich vielleicht gewünscht, dass der 89-minütige Film noch eingehender beleuchtet, wie viel Raum diese sportliche Herausforderung im Leben eines Menschen beansprucht. Doch wie die Teilnehmer im Verlauf des Rennens immer mehr zu einer Leidensgemeinschaft zusammenwachsen und dass immerhin 45 das Ziel erreichen, ist auch so sehr eindrucksvoll. Beim „All Sports Film Festival“ in Los Angeles gewann „I Want To Run“ den dritten Platz als bester fremdsprachiger Dokumentarfilm, und die Grenzland-Filmtage Selb zeichneten ihn mit dem Publikumspreis für den besten Dokumentarfilm aus.

Vom 19. August bis zum 21. Oktober 2012 findet der Transeuropalauf zum dritten Mal statt. Zumindest Robert Wimmer und Stéphane Pelissier werden wieder dabei sein.