Alex Hutchinsons Lauflabor

Glauben Sie an Kompressionsstrümpfe?

Eine Studie untersuchte den Zusammenhang zwischen dem Wirken von Kompressionsstrümpfen und der Einstellung ihnen gegenüber. Hilft der Glaube daran?

Leserreporter Tom Klossek ist begeistert vom Saaletal-Marathon 2014 in Ramsthal

Eine positive Einstellung unterstützt die Wirkung einer Maßnahme - zum Beispiel bei Kompressionsstrümpfen. Im Bild unser Leserreporter Tom Klossek beim Saaletal-Marathon.

Bild: www.fourrunners.de

Es ist nahezu unmöglich, eine Doppelblindstudie zu Kompressionsstrümpfen (und zu vielen anderen Regenerationstechniken wie Eisbädern und Massagen) durchzuführen – denn Sie wissen immer, dass Sie eigentlich davon profitieren sollten. Ein Weg, den Unterschied zwischen psychologischem und „echtem“ physiologischen Effekt herauszuarbeiten ist, die Probanden in der Studie zu fragen, ob sie denken, die Maßnahme würden etwas bewirken. Dies ermöglicht den Forschern am Ende der Studie festzustellen, ob bereits bestehende Überzeugungen die Ergebnisse beeinflusst haben.

Dies haben Wissenschaftler am Australian Institute of Sport in einer Kompressionsstrumpfstudie gemacht, deren ersten Ergebnisse von Ned Brophy-Williams auf der ACSM-Konferenz im Mai 2015 präsentiert wurden. Sie testeten zwölf gut trainierte männliche Läufer, die zwei 5-km-Zeitrennen auf dem Laufband mit einer Stunde Pause dazwischen absolvierten. Diese Testabfolge führten die Läufer zweimal durch, einmal trugen sie die Kompressionsstrümpfe während der einstündigen Erholungsphase und beim anderen Mal nicht.

Negativ eingestellte Probanden verlangsamten sich im zweiten Rennen.

Bild: Alex Hutchinson

Voreinstellungen der Probanden führten zu unterschiedlichen Ergebnissen

Es gab sieben Läufer mit positiver Einstellung zu Kompressionsstrümpfen und fünf Läufer mit einer neutralen oder eher negativen Überzeugung. Während der gesamten Studie war kein allgemeiner Unterschied zwischen den ersten und zweiten 5-km-Rennen zu erkennen - aber es zeigte sich ein Unterschied, wenn man die Voreinstellungen der Probanden mit einbezog.

So war bei denen, die an einen positiven Effekt glaubten, eine winzige (nicht signifikante) Beschleunigung im zweiten Zeitrennen festzustellen, während bei den Skeptikern, nicht überraschend, eine signifikante Verlangsamung erkennbar war. Der Fehlerbalken (Bereich der Fehlerindikatoren) liegt hier bei +/- ~20 Sekunden, aber trotzdem ist der Unterschied noch groß.

Die Studie untersuchte auch die Werte des Sauerstoffverbrauchs, der Herzfrequenz und der wahrgenommenen Anstrengung, doch es wurden keine Unterschiede zwischen den Gruppen gefunden. Andererseits waren aber die Muskelschmerzen und der Erschöpfungsgrad kurz vor dem zweiten Zeitrennen geringer, wenn vorher die Kompressionsstrümpfe getragen wurden und das unabhängig von der vorherigen Einstellung der Probanden.

Alles eine Kopfsache?

So ergibt sich ein recht gemischtes Gesamtbild. Die Tatsache, dass bereits bestehende Überzeugungen eine große Wirkung darauf haben, wie gut Kompressionsstrümpfe funktionieren, könnte darauf hinweisen, dass sich alles „nur im Kopf abspielt“. Dabei darf man nicht vergessen, dass dasselbe Prinzip wahrscheinlich auf jegliche Art von Maßnahmen zutrifft, inklusive der „realen“. Das Arzneimittel Tylenol bspw. lässt Ihre Kopfschmerzen verschwinden, aber ich würde wetten, die Wirkung ist bei denjenigen am stärksten, die wirklich an die Wirksamkeit des Medikaments glauben.

Es wäre interessant, wenn diese Art der Analyse häufiger verwendet würde, sowohl in der Sportwissenschaft wie auch in der Gesundheitsforschung.