20 Jahre Gel-Kayano

Ein verlorener Kayano sorgt für Aufregung

Felizitas Schweitzer und ihr Laufpartner erlebten mit dem Kayano eine aufregende Reise auf dem Weg zum Boston-Marathon.

2012 schenkte ich mir zu meinem 40. Geburtstag die Teilnahme am Boston-Marathon. Die Qualifikation erreichten wir, mein Lauffreund Luis, damals 63 Jahre, und ich in Paris und Amsterdam. Wir meldeten uns an, und im Frühjahr trainierten wir bergauf und bergab, um in Boston fit für die Hügel, wie den Heartbrake Hill, zu sein.

Wir buchten einen Flug von Frankfurt nach Boston. Nach dem 11.09.2001 gab es keine direkten Flüge von München nach Boston mehr und so fuhren wir am Freitag in aller Herrgottsfrüh mit dem Zug von Eichstätt zum Frankfurter Flughafen. In Würzburg mussten wir umsteigen. Als wir auf den nächsten Zug nach Frankfurt warteten, stellte Luis fest, dass er seinen Rucksack im vorherigen Zug liegen gelassen hatte, und darin waren neben dem Reisepass (kein Mensch hätte uns 2001 ohne gültigen Reisepass in einen Flieger steigen oder in Boston das Land betreten lassen) auch seine Kayanos, eingelaufen und mit entsprechenden Einlagen gegen blutige Zehen ausgestattet!

Der Zug stand noch am anderen Gleis, aber selbst mein schneller Lauffreund erreichte den Zug nicht mehr und damit waren die Schuhe und der Pass weg. Luis war grau im Gesicht, als er wieder bei mir war. Was tun? Seine Idee war, dass ich alleine fliege. Aber das kam nicht in Frage. Ein Taxi zum nächsten Bahnhof? Aussichtslos. Uns fiel ein, dass wir uns im Notfall in einem Hotel in Frankfurt einquartieren und unseren Freunden zu Hause erzählen könnten, wie toll es in Boston war, ohne je dort angekommen zu sein.

Die Enttäuschung wäre zu groß gewesen, wieder heim zu fahren, nur weil man den Rucksack im Zug liegen gelassen hatte. Dann sprach uns ein Mann am Gleis an und bot seine Hilfe an. Er war zufällig Bahnbeamter, hatte frei und telefonierte für uns mit der Bahnhofsstation in Gemünden, dem nächsten Halt des Zuges. Er bekam es tatsächlich organisiert, dass die Beamten in Gemünden Luis‘ Rucksack aus dem Zug holten und uns, im nächsten Zug sitzend, den solchen am Bahnhof überreichten!

Alles klappte hervorragend. Im Regionalzug wusste die Zugbegleiterin bereits von unserem Dilemma, in Gemünden wurde uns der Rucksack überreicht und am Flughafen war es dann sehr knapp (45 Minuten vor Abflug waren wir am Schalter), aber es reichte. Boston war genial. Die Organisation war perfekt. Die Zuschauer enthusiastisch und einfach einmalig. Und wir liefen beide ein ganz tolles Rennen. Luis finishte in 3:32 und ich in 3:42 Stunden - in unseren Kayanos.

Felizitas Schweitzer

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