Testbericht

Der Hoka One One Speedgoat im Test

Ob mit diesem Schuh mehr geht beziehungsweise läuft als ultra-lang und ultra-gemütlich, hat Testläuferin Kirsten Althoff ausprobiert. Und eine Überraschung hat sie dabei erlebt.

Hoka One One Speedgoat – Die Bilder
Hoka One One Speedgoat Bild 1

Auf richtigen Trails fühlt sich der Speedgoat am wohlsten.

Bild: Kirsten Althoff

Eins muss ich vorab gestehen: Ich bin ein bekennender Hoka-Fan. Mit diesen Schuhen kann ich einfach laufen, laufen und dann noch etwas weiter laufen (ja, ich laufe gerne lange Strecken!). Hoka One One ist meine Marke für alle Strecken ab 35 Kilometern. Bei dem herbstlichen Schnee-Matsch-Regen-Wetter und den zahlreichen Trailveranstaltungen im Herbst und Winter braucht es einen Schuh mit viel Grip. Deshalb war ich gespannt: Was kann der Speedgoat? Was kann er nicht?

Daten und Fakten zum Speedgoat

Das Modell wurde nach Karl Meltzer, dem „Speedgoat Karl“ – einem der erfolgreichsten Ultraläufer überhaupt –, benannt. Mit dem „Speedgoat 50 k“ hat Karl den schwersten 50 Kilometer-Lauf der USA designed. Um seinem Namen alle Ehre zu machen, muss dieser Hoka einiges an strapaziösen Trailbedingungen aushalten können. Wollen wir mal sehen:

Die Hoka-Modelle zeichnen sich allgemein durch die fette Mittelsohle aus, wobei der Speedgoat vergleichsweise schlank ist. Im Vorfußbereich ist die Mittelsohle 28 Millimeter stark, im Rückfußbereich 33 Millimeter. Laut Hersteller hat er also fünf Millimeter Sprengung. Er sieht nach mehr Schuh aus, als es der Fall ist. Die Außensohle mit den vier Millimeter starken Gummistollen ist von Sohlenspezialist Vibram gefertigt. Anders als beim Trailschuh Hoka One One Challenger ATR 2 ist das Obermaterial des Speedgoat ausgesprochen robust, inklusive kleiner Zehenkappe, für die man im rauen Gelände dankbar ist. Ein kleiner Zweig oder abstehender Felsvorsprung kann dem Obermaterial nicht so leicht etwas anhaben – beim Modell Challenger riss im Test das Obermaterial an mehreren Stellen durch externe Einflüsse ein. Trotz dieser Strapazierfähigkeit ist das Mesh des Speedgoat sehr luftdurchlässig. Leider auch regendurchlässig. In Nullkommanichts habe ich nasse Füße bei Regen. Es ist natürlich kein Membran-Obermaterial, aber ein bisschen Regen sollte es schon abhalten können.

Stark und kraftvoll: Die Farbwahl unterstreicht die robusten Eigenschaften des Obermaterials.

Bild: Kirsten Althoff

Optik und Passform

Als Läuferin, die weder auf die Farbe pink noch lila steht, habe ich es laufschuhtechnisch wirklich sehr schwer. Bei dem Speedgoat war es Liebe auf den ersten Blick. Grün! Blau! Ach, herrlich.

Ich habe keinen ausgesprochen schmalen Fuß. Daher bezweifle ich im ersten Moment der Anprobe die Richtigkeit der Größe. In der Breite und Höhe ist der Platz enorm großzügig kalkuliert, ich habe eher ein lockeres Tragegefühl. Überraschenderweise sitzt der Schuh beim Laufen dennoch angenehm straff. Es läuft sich hervorragend sicher und komfortabel.

Die Einlegesohle stammt von Ortholite. Eigentlich ein Spezialhersteller. Aber irgendwas scheint in der Passform zwischen Einlegesohle und Innenschuh immer noch schief zu laufen – bereits bei dem Hoka One One Tracer habe ich direkt nach der ersten Anprobe die Einlage ausgetauscht; sie drückte auf der Innenseite direkt an der Nahtstelle der Einlegesohle. Bei sehr langen Läufen potenziert sich jede noch so kleine Druckstelle. Ein No-Go für einen Ultralaufschuh. Beim Speedgoat ist diese Stelle etwas weicher, aber so richtig perfekt passt die Einlage nicht in den Schuh. An dieser Stelle wären Nachbesserungen sehr wünschenswert. Beziehungsweise sollte man sich gleich beim Kauf des Speedgoat eine Alternative überlegen.

$(text.h2:Grip und Schutz)$ Bei meinem ersten Testlauf war gerade der vorzeitige Winter über Hamburg eingebrochen. Schnee und Eis bedeckten die Landschaft. Für Temperaturen um den Gefrierpunkt ist die Außensohle etwas zu hart, sodass ich auf dem Asphaltstück hin zum Trail eher unsicher schlittere als mit stabilem Grip zu laufen.

Bei milderen Temperaturen gebe ich dem Hoka One One Speedgoat aber noch eine Chance und siehe da: Ein „Warm-Wetter-Läufer“. Wir passen auch in dieser Hinsicht gut zueinander. Genau wie der Challenger ATR 2 lässt sich der Speedgoat – obwohl ein ausgeschriebener Trailschuh – sehr sicher auf Asphalt laufen. Auf dem Weg zum Trail oder bei Asphaltpassagen muss also nicht erst ein Schuhwechsel vorgenommen werden. Angekommen auf dem Trail leuchten die Qualitäten des Speedgoat genauso strahlend wie seine Farben. Nasser Schlamm, rutschiger Blätterteppich, unebener Waldboden oder Schotterpiste: der Grip ist unglaublich sicher. Selbst in schnell gelaufenen Kurven rutscht der Schuh nicht weg. Ob ich Steine, Wurzeln oder Äste unter meiner Sohle begrabe: Durch die hohe Sohle spüre ich den Untergrund überhaupt nicht.

Hoka One One Speedgoat Bild 3

Bild: Kirsten Althoff

Zwei Kilometer Asphalt bis zur Waldgrenze? Kein Problem!

Der Schuh verleitet schneller zu laufen, als der gemeine, gemütliche Ultraläufer eigentlich will. Der Aufsatz mit der Ferse ist fast unmöglich. Das Abrollverhalten ist richtig schön spritzig, provoziert in Nuancen sogar das Vorfußlaufen. Diesbezüglich fühle ich mich an den Tracer erinnert.

Obwohl die Stärken der Hoka-Familie erst bei längeren Strecken richtig sichtbar werden, macht schnelleres, dynamischeres Laufen mit dem Speedgoat genauso viel Spaß wie mit dem Hoka One One Tracer. Die sehr dynamische Dämpfung des Speedgoat ist nicht zu weich. Ich habe nicht das Gefühl, dass bei jedem Schritt Energie verpufft. Gleichzeitig bekomme ich eine gut Rückmeldung über den Untergrund.

Der Speedgoat ist deutlich leichter und dynamischer als viele andere gut gedämpfte Trailschuhe – auch der Challenger ATR 2 kann hier nicht mithalten. Wer aus der Hoka-Familie bisher den Stinson oder maximal den Vanquish 2 getragen hat, wird mit dem Speedgoat vielleicht nicht ganz so viel Freude haben. Es ist kein flauschiger Wohnzimmerteppich!

Einordnung und Fazit

Mit diesem Hoka One One kann man zu meiner großen Überraschung definitiv auch flott und dynamisch über den Trail flitzen. Aber von knackigen Intervall-Einheiten und Sprintduellen ist natürlich abzuraten. Klassischerweise ist auch dieses Hoka-Modell auf langen oder ganz langen Strecken zu Hause. Er ist sehr gut für mittelmäßig anspruchsvolle Trails geeignet, etwa in Mittelgebirgen und auf Trails durch die Wälder. Und bei Ultradistanzen im Gelände ist der Speedgoat ganz vorne mit dabei!

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