Laufgefühl

Ab und zu ein schuhfreier Tag

Barfuß zu laufen ist die natürlichste Sache der Welt. Warum es Sinn macht und wie Sie es lernen können.

Barfuß_laufen

Viele tun es kaum noch - dabei ist es die natürlichste Sache der Welt: Barfuß laufen.

Bild: Urs Weber

Vorbilder für das sportliche Barfußlaufen gibt es viele. Am eindrucksvollsten war sicherlich der Marathon-Olym­pia­sieg des Äthiopiers Abebe Bikila 1960 auf dem Kopfsteinpflaster von Rom in 2:15:17 Stunden. In Erinnerung bleiben auch die Langstrecken-Europarekorde des Briten ­Bruce Tulloh, die dieser in den Fünfziger- und Sechzigerjahren aufstellte, und nicht zuletzt der 5.000-Meter-Weltrekord der Südafrikanerin Zola Budd, die 1984 barfuß 15:01,83 Minuten lief.

Als Läufer nahm man diese Ereignisse immer staunend zur Kenntnis, aber kam selten genug auf den Gedanken, es selbst einmal ohne Schuhe zu versuchen. Und das Interessanteste: Seit Zola Budd gab es keine auf­sehenerregenden Weltklasserergebnisse von Barfußläuferinnen oder -läufern mehr. Selbst die großartigen Erfolge der Afrikaner werden allesamt besohlt errannt, obwohl die meisten dieser Läufer in Kindheit und Jugend nur barfuß unterwegs waren.

Besser ein Pfund Hüftspeck als ein Pfund Schuhe
Im Jahr 2001 ging der Australier Michael Warburton, selbst ein 2:42-Marathonläufer, das Thema wissenschaftlich an und veröffentlichte im Internet einen Artikel mit dem schlichten Titel „Barefoot Running“ (nachzu­lesen unter sportsci.org/jour/0103/mw.htm). Darin stellte er unter anderem fest, dass schwerere Schuhe sich deutlich negativer auf die Laufleistung auswirken als ein zusätzliches Pfund auf den Hüften.

Laut seinen Un­tersuchungen bewirken 100 Gramm Mehrgewicht an den Füßen eine um einen Prozent schlechtere Laufökonomie. Man kann sich ausrechnen, dass durchschnittliche Laufschuhe, die rund 600 Gramm auf die Waage bringen, demnach ­einen Leistungsverlust von sechs Prozent verursachen. Das ist happig.

Aber wenn wir ein Paar Laufschuhe kaufen, denken wir ja nicht an die Laufökonomie, sondern erstens an den Schutz der Füße vor Steinchen oder Splittern und zweitens an Dämpfung, Stabilität und Bewegungskon­trolle, also an den Schutz vor inneren und äußeren Verletzungen.

Dem ersten Punkt ist nicht viel ent­gegenzusetzen, denn die zunehmende Urbanisierung der Landschaft, im Rahmen derer Naturwege zugepflastert, betoniert oder zumindest mit Schotter oder sonstigem Belag „begehbar“ werden, macht es unseren verwöhnten Füßen tatsächlich weitgehend unmöglich, diese barfuß zu nutzen, ohne Verletzungen an der Fußsohle zu erleiden, die beim Laufen extrem stören würden.

Aber bei Punkt zwei wird es spannend: Die Wissenschaft tut sich nämlich erstaunlich schwer damit, zu beweisen, dass ein Laufschuh gegenüber dem nackten Fuß eine bessere Verletzungsprophylaxe bietet. Im Gegenteil: Wie viele Experimente zeigen, ist der menschliche Fuß so aufgebaut, dass er sich auch ohne Unterstützung „von außen“ selbst vor Verletzungen schützt.

Außerdem ist speziell beim Barfußlaufen das sogenannte propriozeptive System (quasi die Eigenwahrnehmung) des Körpers sehr viel aktiver, was bedeutet, dass die Reizströme von den Fußsohlen bis ins Gehirn viel intensiver sind und schneller verarbeitet werden. Mit anderen Worten: Beim Barfußlaufen spüren Sie alle Körper­bewegungen sehr viel deutlicher.

So trainieren Sie Ihre Füße
Schmeißen Sie jetzt bloß nicht Ihre Laufschuhe in den Müll und versuchen sich überall und täglich im Barfußlauf. Auf Ihre Strafanzeige, weil Sie sich eine Scherbe in den Fuß gelaufen haben, können wir gut verzichten. Wie gesagt: Unsere heimatlichen Laufstrecken lassen das Barfußlaufen kaum zu.

Mein Tipp: 1. Nutzen Sie Laufschuhe, die Ihren Fuß in seiner Bewegung nicht einschränken und ihn zu stark kontrollieren. 2. Suchen Sie sich eine ge­eignete Lauffläche (den Rasenplatz im Sta­dion oder die Grünfläche im Park), auf der Sie sich vorsichtig an das Barfußlaufen herantasten. Anfangs nur 5 bis 10 Minuten, dann jede Woche 50 Prozent länger. Irgendwann sollten Sie einmal pro Woche 40 Minu­ten mit nackten Füßen laufen.

Barfuß im Netz
Interessante Internetseiten zum Thema "Barfußlaufen":
>> barfuss-freizeit.de
>> runningbarefoot.org
>> barfuss.net
>> barfusspark.info
>> gobib.de
>> praesenz.barfuss.server3.tibit.de