Buchvorstellung

"14 Minuten" von Alberto Salazar

Alberto Salazar war zu Beginn der 80er Jahre der weltbeste Marathon-Läufer. Das Buch "14 Minuten" erzählt sein extremes und tragisches Leben.

DasBuch „14 Minuten“ von Alberto Salazar

Der Titel des Buches bezieht sich auf die 14 Minuten, in denen Alberto Salazars Herz im Jahr 2017 aufgehört hatte zu schlagen.

Bild: Sportwelt-Verlag

In „14 Minuten – Leben, Tod und Wiederauferstehung einer Lauflegende“ berichtet Alberto Salazar von seinem außergewöhnlichen und extremen Leben. Vom temperamentvollen Erziehungsstil seines Vaters, dem dreifachen Erfolg beim New-York-Marathon, dem „Duel in the Sun“ und seine Karriere als Lauftrainer bis hin zu den 14 Minuten, in denen sein Herz aufhörte zu schlagen, spiegelt Salazar sein Leben in einem spannenden und packenden Buch auf 282 Seiten wider. Eine drehbuch-reife Geschichte eines Weltklasse-Läufers mit all seinen Höhen und Tiefen.

Anfang der lebenslangen Passion

1958 in Kuba geboren, wuchs Alberto Salazar als schüchterner, wenig selbstbewusster Junge in einem Bostoner Vorort zusammen mit seinen vier Geschwistern auf. Damals konnte er in klassischen Mannschafts-Sportarten mit Gleichaltrigen nicht mithalten und war ihnen körperlich unterlegen. Früh entdeckte er seine Liebe zum Laufen. Was mit kleinen Wettrennen um den Block begann, entwickelte sich schnell zu immer ambitionierterem Lauftraining. Als Alberto Salazar beim Boston-Marathon 1975 den US-Amerikaner Bill Rodgers an der Strecke zu seinem ersten Sieg laufend – drei weitere sollten folgen – sah, wusste er genau, dass er der größte Marathon-Läufer seiner Zeit werden wollte.

Sieges-Serie beim New-York-Marathon

Obsessives und oftmals selbstzerstörerisches Training prägte von nun an Alberto Salazars Leben. Selbst Krankheiten waren für ihn kein Grund zu pausieren. Beim Greater Boston Track Club (GBTC) fand er erste Wegbegleiter und Leidensgenossen – auch sein Vorbild Bill Rodgers gehörte von nun an zu seinen Trainingspartnern. Schon früh schaffte Salazar den Sprung in die nationale Elite im Langstreckenlauf – doch er wollte mehr. Und er wusste genau, dass er es schaffen würde. Denn niemand wollte den Sieg so sehr wie Alberto Salazar, und niemand trainierte so hart und viel wie er. Die Erfolge sollten ihm Recht geben. Von 1980 bis 1982 gewann Salazar drei Mal in Folge den New-York-Marathon und lieferte sich bei seinem Sieg beim Boston-Marathon 1982 das wohl spannendste Marathon-Duell der Geschichte. 42 Kilometer kämpfte er mit Dick Beardsley um jeden Zentimeter und gewann schließlich mit nur zwei Sekunden Vorsprung das „Duel in the Sun“.

Tragische Karriere einer Legende

Doch den unmenschlich hohen Wochenpensen von bis zu 320 Kilometern musste Alberto Salazar schließlich Tribut zollen. Eine nicht enden wollende Serie von Verletzungen verhinderte seine Olympia-Träume und ließ ihn nie mehr in die Weltklasse vorstoßen. Auch auf der Bahn erreichte er seine US-Rekorde über 5.000 und 10.000 nicht mehr. Doch mit seiner Frau Molly fand er das private Glück und wurde dreimal Vater. Die Religion nahm zudem einen immer größeren Teil in Alberto Salazars Leben ein. Er versuchte alles, um wieder an seine besten Zeiten als Läufer anknüpfen zu können, doch schaffte es nie. 1994 gelang ihm beim Comrades-Marathon in Südafrika, dem mit damals schon über 10.000 Finishern weltgrößten Ultra-Marathon, ein eindrucksvolles Comeback mit dem Sieg über die 56 Meilen lange Strecke.

Trainer Alberto Salazar mit seinen Schützlingen Galen Rupp (links) und Mo Farah in London 2012.

Bild: photorun.net

Gründung des Oregon Projects und Entdeckung von Galen Rupp

Doch größere Erfolge blieben auch danach aus. So widmete sich Salazar zusehends seinem Leben abseits der Laufbahn und Marathon-Karriere. Eine wichtige Rolle spielte dabei Phil Knight, der Gründer seines langjährigen Sponsors Nike, der ihm schon zu Beginn der Partnerschaft ein sicheres Jobangebot nach seiner aktiven Laufkarriere versprach. Einige Jahre später keimte in Alberto Salazar die Idee vom Oregon Project auf – dem Rahmen der Erfolge von einigen der erfolgreichsten Läufer der Gegenwart und aller Zeiten. Schon bald begegnet ihm der junge Galen Rupp, der mit 13 Jahren im Fußball-Training allen davon lief. In seinem Buch „14 Minuten“ beschreibt Alberto Salazar die innige und besondere Beziehung zu ihm. Er behandelt und trainiert ihn wie einen eigenen Sohn. All seine Fehler, die er in jungen Jahren gemacht hat und die ihm viel Leid und Frust beschert hatten, sollte Galen Rupp vermeiden. Alberto Salazar wusste sofort, dass Galen Rupp ein unheimliches Talent hatte und es in die absolute Weltspitze schaffen kann – die olympische Silbermedaille im 10.000-m-Finale bei den Spielen in London gab ihm erneut Recht. Von nun steckte Alberto Salazar seine gesamte Energie in das Oregon Project und trainierte eine Handvoll der erfolgreichsten amerikanischen Läufer.

“Leben, Tod und Wiederauferstehung einer Lauflegende“

2007 an einem schicksalhaften Tag kurz vor Trainingsbeginn auf dem Campus blieb sein Herz stehen. Alberto Salazar fiel um. Die Uhr begann zu ticken. Wie schon oft in seinen 48 Jahren schien das Schicksal auf seiner Seite. Ärzte waren vor Ort, doch wollte Salazars Herz nicht wieder zu schlagen beginnen. Erst bei dem vierten Elektroschock mit dem Defibrillator setzte der Herzschlag nach 14 Minuten wieder ein – 10 Minuten länger, als Opfer eines Herzstillstands normalerweise überleben. Wie durch ein Wunder blieben keinerlei Hirnschäden zurück und Alberto Salazar stand schon neun Tage später wieder an der Laufbahn und trainierte seine Läufer.

Das außergwöhnliche Leben eines außergewöhnlichen Menschen

„14 Minuten“ von Alberto Salazar gibt alle Höhen und Tiefen eines eindrucksvollen Menschen und dessen Leben wieder. Viele schicksalhafte Momente und Erkenntnisse wandelten ihn vom exzessiven Läufer zum ausgeglichenen Ehemann und Familienvater. Mit einigen kurzen Durchbrüchen der Chronologie gelingt es Salazar zudem der ohnehin schon dramatischen und lesenswerten Geschichte seines Lebens noch mehr Spannung zu verleihen. Alle Lebensabschnitte werden ausführlich und jeder für sich mit seinen eigenen außergewöhnlichen Stationen erzählt. In legendären Rennen, wie die Weltbestzeit in New York 1981, der knappen Niederlage gegen den Kenianer Henry Rono über 10.000 Meter, dem wenige Tage später stattfindenden „Duel in the Sun“ oder dem Comrades-Marathon – um nur einige zu nennen –, gelingt es Alberto Salazar, die Spannung und Dramatik eins zu eins ins Geschriebene zu übertragen. Auch die Diskrepanz zwischen seiner eigenen, selbstzerstörerischen Trainings-Philosophie und dem behutsamen Heranführen Galen Rupps an die Weltspritze, verleiht dem Buch eine besondere Dramaturgie.

Fazit

Alberto Salazar’s „14 Minuten – Leben, Tod und Wiederauferstehung einer Lauflegende“ spiegelt das Leben eines extrovertierten und unnachgiebigen Menschen ehrlich und ungeschminkt wider. Auf spannende Art und Weise gelingt es ihm, den Leser mit seinem außergewöhnlichen Leben und sportlichen Werdegang zu fesseln. Auch der raue Umgangston und das bemerkenswerte Leben der Salazars ist ebenso beeindruckend wie Jahrzehnte später die Entwicklung vom besten Marathonläufer seiner Zeit hin zum fürsorglichen, perfektionistischen und harten Trainer und Gründer des Oregon Projects. Von der tragischen Geschichte eines – in allen Hinsichten – extremen Menschen und Läufers in „14 Minuten“ wird sich jeder Läufer packen lassen.

Hinweis:Die deutsche Version des Buches erschien am 23. November 2015, die englischsprachige Originalversion bereits 2012. Zu den Dopingvorwürfen aus dem Juni 2015 nimmt der Sportwelt-Verlag online Stellung.

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