André Pollmächer

Auf dem Weg nach oben

10000-m-Läufer André Pollmächer zählt zu den großen Hoffnungen der deutschen Leichtathletik.

André Pollmächer

Andre Pollmächer bei der Junioren-EM in Erfurt 2005.

Mit 24 Jahren ist André Pollmächer als Langstreckenläufer fast noch in einem jugendlichen Alter. Der Athlet des LAC Chemnitz zählt trotzdem zu den neuen Hoffnungen der deutschen Leichtathletik. Kein Jahr nachdem Jan Fitschen (TV Wattenscheid) bei der EM sensationell Gold über 10000 Meter gewonnen hatte, ist André Pollmächer aus dem Schatten des Europameisters herausgelaufen.

Ebenso überraschend wie Fitschen vor einem Jahr bei der EM triumphiert hatte, gewann Pollmächer im April den 10.000-m-Europacup. Das war zuvor nur einem Deutschen gelungen: Dieter Baumann. Anfang Juni steigerte der Chemnitzer seine Bestzeit dann bei einem Rennen in Belgien auf 27:55,66 Minuten. Damit qualifizierte er sich nicht nur für die WM sondern war so schnell wie kein anderer Deutscher seit Dieter Baumann.

André Pollmächer beim Europacup in diesem Jahr.

Früher war Dieter Baumann einmal das Vorbild für André Pollmächer. Heute nennt der Läufer zwei andere Idole: Was den Laufstil angeht, ist es der marokkanische Mittelstrecken-Weltrekordler und Olympiasieger Hicham El Guerrouj. Ansonsten ist sein Trainer, Bernd Dießner, das Vorbild. Die sehr enge Verbindung zwischen dem Coach, der in den 60er Jahren über 5.000 Meter eine EM-Bronzemedaille gewonnen hatte, und dem Läufer erklärt sich auch damit, dass das Talent André Pollmächer für die deutsche Leichtathletik sicher verloren gewesen wäre ohne Bernd Dießner. Der Trainer führte in rund 30 Jahren eine Reihe von Läufern zu außergewöhnlichen Erfolgen: 1978 schockte Olaf Beyer bei der EM mit seinem 800-m-Sieg die haushohen britischen Favoriten Sebastian Coe und Steve Ovett, bei Olympia in Moskau 1980 platzierte sich Jürgen Straub im 1.500-m-Finale zwischen den beiden Briten, 1986 gewann Ulrike Bruns über 10.000 Meter bei der EM in Stuttgart Bronze, und 1988 lief Jens-Peter Herold bei Olympia über 1.500 m auf Rang drei. Herold und weitere Mittelstreckler führte Bernd Dießner in den 90er Jahren zu deutschen Rekorden.

1998 erkannte Bernd Dießner das Potenzial des 15-jährigen André Pollmächer. „Er lief damals über 1000 Meter über drei Minuten“, erzählt Bernd Dießner. Dieses Ergebnis spricht nicht unbedingt für ein außergewöhnliches Talent. „Aber es war zu sehen, dass er gute körperliche Voraussetzungen mitbringt. Man braucht dann im Langstreckenlauf viel Geduld“, sagt Bernd Dießner. Geduld musste zunächst der Coach haben, denn auf Anhieb kam der Landestrainer nicht an das Talent heran. „Ich habe später erfahren, dass Bernd Dießner bei meinem Verein in Riesa angerufen hatte und ein Probetraining verabreden wollte“, erzählt André Pollmächer. „Doch man sagte ihm, der bleibt bei uns – und mir hatte keiner was davon erzählt.“ Aber der junge Läufer dachte selbst über Veränderungen nach, nachdem die Leistung stagnierte. „Der Landestrainer sagte mir, wenn du gut werden möchtest, musst du zu Bernd Dießner gehen.“

Im Winter 1999 absolvierte er bei Dießner ein zweiwöchiges Probetraining in Chemnitz. In der Folge verbesserte sich Pollmächer über 3.000 Meter um über eine halbe Minute. Die Entscheidung, nach Chemnitz zu gehen, war gefallen. Statt zweimal pro Woche trainierte er nun täglich. „In den ersten Monaten bin ich um 17 Uhr in mein Bett gekrochen und habe bis morgens um sieben geschlafen. Bernd Dießner hat mir keine Luft gelassen.“ Nach gut einem Jahr der Zusammenarbeit wurde André Pollmächer Deutscher Jugendmeister im Straßenlauf. Ein entscheidender Schritt nach vorne waren später die Europameisterschaften der unter 23-Jährigen 2005, bei denen er Zweiter wurde.

Seit 2004 trainiert André Pollmächer auch in leistungsfördernder Höhenluft. Im vergangenen Jahr war er mit Bernd Dießner zum ersten Mal in Mexiko, wo er in Höhen von bis zu 3.200 Metern lief. „Beim ersten Mal wollte ich sterben“, erzählt er von den Anstrengungen des Trainings in dieser Höhe. 220 Kilometer läuft er inzwischen im Höhentraining durchschnittlich pro Woche – das ist mehr als viele deutsche Marathonläufer. „Ich denke, das ist notwendig, um erfolgreich zu sein“, sagt André Pollmächer. An Marathon denkt er dabei noch nicht, zehn Kilometer sind ihm vorerst lang genug.

In St. Moritz bereitet sich André Pollmächer nach seinem zweiten Platz über 5000 m bei den Deutschen Meisterschaften auf seinen ersten WM-Start vor. Dabei bleibt er vor dem Kampf gegen die besten afrikanischen Läufer realistisch: „Ich möchte den bestmöglichen Platz erreichen – ob das dann der 15. oder 22. ist, kann ich nicht sagen.“ Für das nächste Jahr ist das Ziel klar: die Qualifikation für die Olympischen Spiele. Diese Norm steht bei 27:49 Minuten. „27:40 Minuten sind das Ziel“, sagt Bernd Dießner. Damit wäre André Pollmächer 2006 der schnellste Europäer gewesen.