Wer zahlt was?

Alternative Liste

Mögen sich Experten immer noch über die Wirkungsweise alternativer Heilmethoden streiten – viele Läufer schwören darauf. Welche Behandlungen abseits der Schulmedizin sinnvoll – und bezahlbar – sind.

Yoga

Bestimmte Yoga-Varianten sind Teil der ganzheitlichen Atemtherapie.

Bild: Julien Christ / pixelio.de

Kritiker alternativer Therapieverfahren argumentieren gerne, dass die Studienlage über die Wirksamkeit derartiger Methoden dünn oder kaum überzeugend sei. Damit haben sie in vielen Fällen sogar Recht. Allerdings gilt das auch für zahlreiche Behandlungsmethoden aus der Schulmedizin, die viel zu selten in Frage gestellt werden – nicht zuletzt in Bezug auf die nachhaltige Wirksamkeit operativer Eingriffe. Entscheidend aber ist, dass der meist ganzheitliche Ansatz alternativer Medizin mit dem Studienaufbau westlicher Untersuchungen kaum erfasst werden kann. Und eben diese ganzheitliche, fernöstlich geprägte Medizin ist auf dem Vormarsch. Allen voran Therapien, die über eine Einflussnahme des Behandelnden auf die Energiebahnen des Patienten, die so genannten Meridiane, schmerzmindernd wirken sollen.

Akupunktur
Bereits vor über 2000 Jahren wurden in China Krankheiten mittels Akupunktur behandelt. Sie ist wichtiger Bestandteil der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM). Bei der Anwendung werden Edelstahlnadeln, neuerdings auch Laserstrahlen auf Akupunkturpunkte gesetzt beziehungsweise ausgerichtet, von denen – je nach Art der chinesischen Lehre – mehrere hundert bis einige Tausende dokumentiert sind, die auf den Energiebahnen des Körpers, den Meridianen, verortet wurden. Dort soll die Lebensenergie, das Qi, fließen, die sich in den Polaritäten Ying und Yang ausdrückt. Befinden sich diese gegensätzlichen Beziehungskräfte nicht im Gleichgewicht, können körperliche und seelische Symptome sowie Krankheiten auftreten. Der Akupunkteur versucht durch gezieltes Setzen der Nadeln den Energiestau zu lösen und das Gleichgewicht wieder herzustellen.

Das tatsächliche Vorhandensein der Meridiane konnte bisher nicht bewiesen werden. Gleichwohl führten Akupunkturanwendungen schon in vielen dokumentierten Fällen nachweislich zu Schmerzlinderung (GERAC-Studie 2005). Läufer können von Akupunktur bei diversen Rückenbeschwerden, bei Schmerzen in den Knie- und Fußgelenken sowie bei Überlastung oder Verletzung der Sehnen profitieren. In Deutschland gilt Yuele Gao als die Institution für Akupunktur. Bekannt wurde er durch die erfolgreiche Behandlung zahlreicher Fußballprofis wie René Adler und Pedro Geromel.

Bei chronischen Rücken- und Knieschmerzen übernimmt die gesetzliche Krankenkasse bis zu zehn Sitzungen, in Einzelfällen auch mehr. Die Behandlung anderer Erkrankungen muss eigenfinanziert werden (ca. 50 Euro pro Sitzung).


Akupressur
Die Akupressur ist noch älter als die Akupunktur und ebenfalls Bestandteil der TCM. Sie beruht aber auf dem gleichen Verständnis vom Gleichgewicht der Energiekräfte Yin und Yang. In der Anwendung werden Akupressurpunkte auf den Meridianen durch manuelles Punktieren oder Schieben mit variablem Druck durch Finger und Daumen bearbeitet, um einen Energiestau zu lösen. Eine Studie der Yale University aus 2010 konnte nachweisen, dass Akupressur Spannungsschmerzen mindert, was die Wissenschaftler mit einer Minderung des Stresshormons Cortisol bei gleichzeitig erhöhter Endorphinproduktion erklären. Für Läufer kann Akupressur bei Spannungsbeschwerden in Schulter und Nacken sowie im Bereich der Lendenwirbelsäule helfen.

Eine Kostenübernahme der Krankenkasse ist in der Regel nicht möglich. Sollten aber andere Therapieansätze zuvor nicht erfolgreich gewesen sein, genehmigt mitunter auch die gesetzliche Krankenkasse eine Behandlung. Die Kosten bei Eigenfinanzierung sind unterschiedlich, dürften in der Regel aber um die 50 Euro pro Sitzung betragen.


Atemtherapie
Es gibt zwei grundverschiedene Formen der Atemtherapie. In der Anwendung als fachärztlich betreute Behandlungsmethode ist die Atemtherapie ein gut dokumentiertes und bewährtes Verfahren. Es kann bei Erkrankungen des Bronchialsystems wie Asthma oder Chronische Bronchitis eingesetzt werden. Läufer profitieren auch von den prophylaktischen Anwendungsmöglichkeiten der Atemtherapie, dem Atemtraining, das eine Stärkung der Atemmuskulatur herbeiführt und durch besondere Techniken die Bauchatmung verbessert. Die Bauchatmung sorgt durch niedrige Atemfrequenz und hohes Atemzugvolumen für bessere Sauerstoffwerte im arteriellen Blut. Das wiederum verbessert die Leistungsfähigkeit eines Läufers erheblich. Wird eine Atemtherapie vom Arzt verordnet, übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen die anfallenden Kosten.

Die ganzheitliche Atemtherapie ist dagegen ein alternativmedizinischer Ansatz mit krankengymnastischer und psychotherapeutischer Vorgehensweise. Dabei spielen meditative Aspekte eine Rolle, die den Stressabbau fördern, das Körpergefühl stärken und eine seelische Balance herstellen sollen. Es gibt dazu verschiedene Lehren, darunter Qigong (TCM) und Varianten des Yoga. Studien zeigen, dass meditatives Atemtraining positive Wirkung auf den Blutdruck und bei diversen chronischen Schmerzen sowie Asthma und Arteriosklerose haben kann.

Eine Übernahme der Kosten ganzheitlicher Atemtherapie durch die gesetzlichen Krankenkassen ist in der Regel nicht möglich.


Kinesiologie
Die Kinesiologie hat ihren Ursprung in der Chiropraktik, entwickelte sich jedoch zu einem esoterisch orientierten Diagnose- und Therapieverfahren. Der Mensch, so die Lehre, wird dabei in seiner Ganzheitlichkeit wahrgenommen, mentale und emotionale Zusammenhänge in die Betrachtung des Patientenleidens einbezogen. Im Vordergrund der Diagnose steht ein Test der Muskelspannung so genannter Indikatormuskeln, die zu einem bestimmten Beschwerdebild passen könnten. Der Kinesiologe versucht durch den Test Energieblockaden aufzuspüren und diese in drei oder mehr Sitzungen durch manuelle Techniken aufzulösen. Die Wirksamkeit der Kinesiologie ist umstritten. In einer ganzen Reihe westlicher Studien konnten bisher keine Nachweise erbracht werden, dass Kinesiologie diagnostisch überzeugend oder therapeutisch wirksam wäre.

Entsprechend aussichtslos ist eine Kostenübernahme durch die gesetzlichen Krankenkassen.

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