Ultramarathon

Alles Kopfsache

Wenn Ihr Körper streikt, hilft Ihnen nur der Kopf aus dieser Misere. Hier erfahren Sie, wie das funktioniert.

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Ein Ultramarathon ist nicht nur durch Training zu bewältigen. Auch der Kopf entscheidet.

Bild: Mike Bertino

Krisen einplanen
„Sie können davon ausgehen, dass Sie mindestens einen richtigen Durchhänger haben werden“, verspricht Byron Powell, ehemaliges Mitglied des Montrail-Nathan-Ultrarunning-Teams. Beim Leadville Trail 100 (160 Kilometer) brach Powell einmal richtig ein (nach rund 100 Kilometern) und zwang sich zum Gehen (ohne das Essen und Trin­ken zu vernachlässigen). 8 Meilen lang (13 Kilometer) dauerte seine Gehpause, dann erholte er sich und wurde am Ende Sechster. Powell: „Es wird nicht immer noch schlimmer. Irgendwann geht es auch wieder aufwärts.“

Ein Mantra finden
Vor einem Ultramarathon schreibt sich Powell eine Reihe von Motto­sätzen auf, die ihn durch das Rennen begleiten sollen. Beispiele: Gehpausen sind gut für mich! Bleib ruhig! Freu dich über die Landschaft! „Machen Sie sich unterwegs klar, warum Sie diese Herausforderung eingegangen sind“, rät Ultraläufer und Trainer Torin Dewey. „So simpel es auch klingen mag: Sie haben sich schließlich zum Ziel gesetzt anzukommen, also können Sie nicht einfach aufgeben.“

Freunde und Helfer
Was spricht dagegen, sich phasenweise von einem Bekannten begleiten zu lassen, vor allem auf dem letzten Teil der Strecke? Das kann helfen, Schwächeperioden zu überwinden. Powell hat seiner Begleit-Crew verboten, das Wort „Aufgeben“ in den Mund zu nehmen.

Ein Schritt nach dem anderen
Ein Strecke von 80 oder 100 Kilometern (oder mehr) ist kein Pappenstiel, deshalb ist es ratsam, sich die Distanz vor dem inneren Auge einzuteilen, so dass man gewissermaßen mehrere kleinere Strecken nacheinander zurücklegen kann. Unser Tipp: Konzentrieren Sie sich lieber auf die nächste Versorgungsstation als auf das Ziel.

Vitamin I: Freund oder Feind?
Nicht wenige Ultraläufer schwören auf das Schmerzmittel Ibuprofen gegen schmerzende Muskeln. Doch „Vitamin I“ sorgt eher für Verdruss als für Linderung. In einer Studie aus dem Jahr 2005 wurde der
Gebrauch von Ibuprofen beim Ultralauf Western States 100 untersucht. Dabei stellte sich heraus, dass das Schmerzmittel keineswegs die Schmerzen verschwinden ließ. Obendrein wurden bei den Ibuprofen-Anwendern höhere Entzün­dungswerte im Blut festgestellt als bei jenen Läufern, die das Mittel nicht benutzten. Fazit: „Es gibt keinen Grund, warum Läufer Ibu­profen einnehmen sollten“, sagt David Nieman, der medizinische Leiter der Studie.

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