Paris

Äthiopischer Triumph und eine Jahresweltbestzeit

Bei der 34. Auflage des Paris-Marathons siegten Tadesse Tola in 2:06:41 und Atsede Bayisa in 2:22:04 Stunden.

Tadesse Tola

Tadesse Tola gewann am Sonntag den Paris-Marathon.

Bild: photorun.net

Eine Premiere gab es bei der 34. Auflage des Paris-Marathons: Zum ersten Mal in der Geschichte des Rennens stellten die Äthiopier am Sonntag am Arc de Triomphe beide Sieger. Während sich Tadesse Tola in seinem zweiten Marathon dabei überraschend auf 2:06:41 Stunden steigerte, stellte seine Landsfrau Atsede Bayisa mit 2:22:04 einen Streckenrekord auf. Die Zeit der Äthiopierin ist eine Jahresweltbestzeit und ebenfalls ein persönlicher Rekord. Beide Sieger erhielten jeweils ein Preisgeld von 50.000 Euro.

40.000 Läufer aus 97 Nationen hatten für den Paris-Marathon gemeldet. 31.566 Athleten gingen schließlich an den Start, so dass der bisherige Finisher-Rekord beim größten französischen Marathon gebrochen werden könnte. 2006 wurden 30.739 Läufer im Ziel registriert. Über 250.000 Zuschauer säumten die Straßen von Paris.

Im schnellen Männerrennen, für das gleich 21 Athleten mit Bestzeiten von unter 2:10 Stunden auf der Startliste standen, erreichte eine über 20-köpfige Spitzengruppe die Halbmarathonmarke nach 63:15 Minuten. Damit war zu diesem Zeitpunkt selbst der Streckenrekord, den Vincent Kipruto (Kenia) vor einem Jahr mit 2:05:47 Stunden aufgestellt hatte, noch nicht außer Reichweite. Allerdings verlor die Spitzengruppe in der Folge etwas an Fahrt. Während der Titelverteidiger Kipruto einen Start beim praktisch zeitgleichen Rotterdam-Marathon vorzog, schob sich ein Äthiopier ins Rampenlicht: Tadese Tola. Er war in der Lage, auf den letzten Kilometern das Tempo anzuziehen und hoch zu halten. Dadurch konnte sich der erst 22-Jährige gegen die starke Konkurrenz durchsetzen. An der 35-km-Marke (Durchgangszeit: 1:45:24 Stunden) hatte die Führungsgruppe immer noch aus acht Läufern bestanden.

Am Ende hatte Tadesse Tola noch einen großen Vorsprung von einer halben Minute herausgelaufen. Er gewann in 2:06:41 Stunden vor vier kenianischen Läufern: Alfred Kering wurde in 2:07:11 Stunden vor dem starken Debütanten Wilson Kipsang (2:07:13) Zweiter. Kipsang war mit einer Weltklasse-Halbmarathonbestzeit von 58:52 Minuten in seinen ersten Marathon gegangen. Rang vier belegte in Paris Benjamin Kiptoo in 2:08:01, Fünfter wurde Daniel Kiprugut mit 2:08:29. Elf Athleten blieben unter 2:10 Stunden, was die Breite in der Spitze deutlich macht. Nicht-afrikanische Läufer waren in diesem Rennen chancenlos. Der Beste von ihnen, Mikhail Lemaev (Russland), wurde 21. in 2:17:06.

Tadesse Tola gehörte vor dem Start nicht zu den Topfavoriten. Bei seiner Marathonpremiere im vergangenen Oktober in Chicago war er als Neunter in 2:15:48 Stunden ins Ziel gekommen. Somit steigerte sich der Äthiopier nun in Paris um gleich gut neun Minuten. Auf kürzeren Strecken hat er allerdings Erfolge vorzuweisen, die eine starke Marathonzeit erwarten ließen. 2006 wurde er Siebenter bei der Straßenlauf-WM über 20 km, ein Jahr später belegte er ebenfalls Rang sieben bei der Cross-WM, dann gewann er 2009 einen 10-km-Straßenlauf im hügeligen New Yorker Central Park in 27:48 Minuten und im Februar war er Zweiter beim hochklassigen Halbmarathon in Ras Al Khaimah (Vereinigte Arabische Emirate) in 59:49. Tadesse Tola hat nun in Paris einen äthiopischen Zwei-Jahres-Rhythmus eingehalten: 2004, 2006, 2008 und jetzt auch 2010 kam der Sieger jeweils aus Äthiopien.

Bei den Frauen verteidigte die Vorjahressiegerin ihren Titel: Atsede Bayisa gewann wenige Tage vor ihrem 23. Geburtstag in hochklassigen 2:22:04 und verbesserte damit den acht Jahre alten Kursrekord der Belgierin Marleen Renders (2:23:05) um 61 Sekunden. Deutlich unterbot sie auch die bisherige Jahresweltbestzeit ihrer Landsfrau Teyba Erkesso, die im Januar in 2:23:53 in Houston gewonnen hatte.

In der Breite war das Rennen der Frauen in Paris allerdings deutlich schwächer besetzt als jenes der Männer. Drei Äthiopierinnen liefen zunächst an der Spitze und erreichten den Halbmarathonpunkt nach 70:09 Minuten. Neben Atsede Bayisa waren dies Beyene Tirfi und Gurmu Ayanu. Letztere begann bei Kilometer 25 zurückzufallen und wurde schließlich Fünfte in 2:29:25. Tirfi hielt bis kurz nach der 30-km-Marke (1:40:25 Stunden) mit Bayisa Schritt, doch dann fiel auch sie zurück. In der Schlussphase wurde Tirfi noch von Christelle Daunay überholt. Die Französin verbesserte als Zweite ihren Landesrekord auf 2:24:22 und könnte bei der EM in Barcelona eine Rolle spielen, wenn sie mit der Hitze klarkommt.

Tirfi wurde in 2:24:51 Dritte vor Azalech Woldeselasse (Äthiopien/2:25:34). Für Atsede Bayisa war es bereits der zweite Marathonsieg in diesem Jahr. Am 2. Januar hatte sie im chinesischen Xiamen in 2:28:53 Stunden gewonnen.

Text: race-news-service.com
Foto: photorun.net

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