Adidas Energy Boost

Neues Mittelsohlenmaterial Boost

Adidas und BASF haben das neue Mittelsohlenmaterial Boost mit enorm hoher Rückstellkraft entwickelt. Im Adidas Energy Boost wird dieses Kügelchen-Material verwendet.

Adidas Energy Boost

Der Adidas Energy Boost (149 Euro) ist ein alltagstauglicher Trainingsschuh.

Bild: Hersteller

Mittelsohle ist nicht gerade ein klangvoller Begriff. Und er wird der zentralen Funktion, die das Bauteil im Laufschuh spielt, eigentlich nicht gerecht. Als hinge die Sohle irgendwo dazwischen. Dabei sitzt die Mittelsohle im Zentrum. Und sie übernimmt die wichtige Aufgabe, die Aufprallenergie beim Landen des Fußes abzubauen, zu dämpfen.

Gleichzeitig muss die Sohlenkonstruktion natürlich sehr flexibel sein. Und sie soll den Fuß schützen. Natürlich muss sie auch blitzschnell wieder ihre ursprüngliche Form ­annehmen beziehungsweise im Idealfall die Energie sogar wieder für den Abstoß an den Fuß zurückzugeben. Rebound nennen das die Techniker, frei übersetzt könnte man von Rückstellkräften sprechen. Dazu haben die Laufschuhhersteller im Lauf der Jahre jede Menge mehr oder weniger sinnfreie Erfindungen gemacht – bis hin zu Sprung­federn in der Mittelsohle. Adidas nutzt dazu jetzt ein ganz neues Mate­rial.

Das Modell Energy Boost von Adidas (149 Euro) wurde ganz bewusst als Alltagslaufschuh ent­wickelt. Die Sprengung von 10 bis 11 Millimetern ist ­typisch für einen Trainingsschuh.

Die Passform des Energy Boost ist Adidas-typisch, die Zehenbox eher schmal. Dafür passt sich das Techfit-Obermaterial sehr gut an den Fuß an. Das Obermaterial ist weitgehend nahtfrei, die Besätze sind geklebt. Der Innenschuh ist komplett nahtfrei. Die Fersenkappe wird von einer externen Spange stabilisiert. Adidas hat in Zusammen­arbeit mit den Polymer-Spezialisten von BASF ein neues Mittelsohlenmaterial entwickelt: Boost, ein sogenanntes „expandiertes thermoplastisches Poly­urethan“ (E-TPU). Es wird aus etwa 2.500 Kügelchen geformt und erfüllt die Anforderungen an einen Laufschuh deutlich besser als herkömmliche EVA-Materialien, so der Hersteller: Es dämpft vorzüglich, ist formstabil auch bei hohen Belastungen und schluckt keine Energie, sondern gibt sie an den Läufer zurück.

Neue Dimension der Elastizität
Bei Laufschuhen ist nicht der erste Eindruck entscheidend. Die Optik kann nämlich täuschen. Und so geht es mir auch beim Adidas Energy Boost. Allein die Produktbezeichnung erinnert mich eher an ein neues Koffeingetränk mit viel Zucker. Und die Mittelsohle erinnert von der Optik ein wenig an Styroporverpackungen. Allerdings ist der optische Gesamteindruck sehr gelungen, das schwarze Adidas Techfit-Obermaterial sieht funktionell, fast elegant aus. Und der erste Laufeindruck? Wow! Das würde man dem Styropor nicht zutrauen. Der Laufeindruck ist sehr gut: Sehr gute, harmonische Dämpfung. Ich habe das Gefühl, dass sich die Dämpfung jeweils an meine Belastung anpasst. Wenn ich langsam laufe, ist der Schuh komfortabel. Und bei höherem Tempo geht der Schuh mit – subjektiv kann ich die Behauptung der Materialentwickler von BASF und Adidas bestätigen: Das Mittelsohlenmaterial Boost hat eine enorm hohe Rückstellkraft - oder auch „Rebound“ genannt. Dazu ist es sehr flexibel, macht die Fuß-Abrollbewegung sehr gut mit.

Ich konnte den Schuh bei winterlichen Temperaturen bei minus 12 Grad testen – aber auch bei 20 Grad Wärme: Die Dämpfungseigenschaften waren tatsächlich (nach meinem Gespür) sehr ähnlich. Mit anderen Worten: Die Kälte verschlechterte die Dämpfungseigenschaften des Materials nicht für mich spürbar. Der Energy Boost ist ein neutraler Trainingsschuh. Erfreulicherweise hat Adidas hier keine Experimente gemacht, sondern einen Schuh für den normalen Trainingsalltag entwickelt – mit normaler Sprengung. Die Passform des Obermaterials eignet sich für mittelbreite und schmale Füße, in der Zehenbox geht es eher vergleichsweise eng zu. Aber das Obermaterial passt sich sehr gut an und ist sehr atmungsaktiv, funktioniert auch bei warmen Laufbedingungen. Das Sohlenprofil ist für festen Untergrund geschaffen – Straße oder befestigte Waldwege. Auf rutschigem Untergrund, auf Schnee, Matsch oder Sand verliert es allerdings schnell den Grip. Das neue Mittelsohlenmaterial ist nach meinem ersten Laufeindruck tatsächlich eine echte Innovation auf dem Laufschuhmarkt. Und vor allem bin ich jetzt schon gespannt auf die folgenden Modelle, die sich die Adidas-Laufschuhentwickler mit dem Material ausdenken und entwickeln werden – da sehe ich noch viel Spielraum.