Margot Käßmann

"Moin Frau Bischöfin!"

Am Anfang wurde zwar noch diskutiert, doch inzwischen haben sich alle an die laufende Bischhöfin gewöhnt.

Zum Hannover-Marathon stellt die Landeskirche regelmäßig ein eigenes Team unter der Leitung der Bischhöfin.

Bild: Jens Schulze

Werden Sie beim Laufen oft erkannt?
Ja, aber ich bin hier nichts Besonderes. Die Leute grüßen „Moin, Frau Bischöfin“, manchmal kommt auch jemand für eine Teilstrecke mit. Aber das Schöne – und der Unterschied zu Politikern – ist: Die Leute freuen sich, wenn sie eine Bischöfin sehen. Zu Anfang wurde natürlich noch diskutiert, sogar in der Zeitung: Darf sich eine Bischöfin mit kurzen Hosen zeigen? Doch inzwischen haben sich alle daran gewöhnt.

Reizen Sie auch Wettkämpfe?
Ich laufe manchmal auf Charity-Veranstaltungen, etwa für Schulen. Einige Male bin ich auch den zehn Kilometer langen Pro-Toleranz-Lauf im Rahmen des Hannover-Marathons mitgelaufen. Da sind wir, die Landeskirche, sogar mit einem Team und eige­nen Shirts vertreten – mit der Aufschrift „Evangelische Kirche laufend dabei“. Außerdem laufe ich fast jedes Jahr eine Etappe beim Nordseelauf, bei dem ich auch Schirmherrin bin. Diesen Sieben-Insel-Lauf haben wir vor sechs Jahren gemeinsam mit den Tourismusverbänden als „Lauf ­gegen Gewalt“ ins Leben gerufen.

Hat Ihnen das Laufen in der Zeit Ihrer Krebserkrankung 2006 geholfen?
Erst mal hat mir das Laufen wirklich gefehlt. Ich bin an einem Montag in die Klinik und am Sonntag davor noch mal um den Maschsee gelaufen. Dabei habe ich mich so fit gefühlt, dass ich am liebsten zwei Runden gelaufen wäre. Dieser Widerspruch war sehr frustrierend: Einerseits fühlte ich mich supergut, andererseits musste ich diesen Knoten im Krankenhaus entfernen lassen. Während der Strahlentherapie nach der OP durfte ich ungefähr drei Monate gar nicht laufen, dann konnte ich langsam wieder aufbauen. Am 1. Januar 2007 bin ich erstmals wieder ganz um den See. Die körperliche Fitness hat mir geholfen, schneller auf die Beine zu kommen und die Strahlen­therapie leichter wegzustecken.


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