Normann Stadler

„Jetzt ergänzen sich beide Disziplinen“

Der Triathlet und zweifache Hawaii-Sieger Normann Stadler äußert sich im Interview über das Verhältnis zwischen Kurz- und Langdistanz.

Wie sehen Sie das Verhältnis von Kurz-­ und Langdistanz?
Normann Stadler:
Thomas Hellriegel hat ja mal in einem Interview gesagt: „Die Kurzdistanz ist der Pickel am Arsch des Ironman.“ Da ging es richtig rund. Früher hat man sich eben gegenseitig belächelt. Die Kurzdistanzler spotteten über die Langdistanzler, dass die ja nicht schnell könnten. Mittlerweile ist das anders. Mein Radrekord von 4:18 Stunden über 180 Kilometer und 1000 Höhenmeter (Ironman Hawaii 2006 – Anm. d. Red.) bedeutet einen Durchschnitt von 43 km/h. Die schnellsten Läufer kommen an die 2:40 im Marathon ran, die Elite unterbietet regelmäßig die Acht- Stunden-Grenze. Da kann man von „langsam“ nicht mehr reden – und es geht weiter vorwärts. Die Langdistanzler haben den Triathlon bekannt gemacht, aber dann haben Stephan Vuckovic und Jan Frodeno die olympische Distanz auf einen neuen Level gehoben. Jetzt ergänzen sich beide Disziplinen, und eigentlich müssten die Verbände mehr zusammenarbeiten. Aber das ist schwierig, wenn der eine ein gewinnorientiertes Unternehmen ist (Ironman) und der andere ein Verband (DTU).

Ist Radfahren Ihre Lieblings­disziplin gewesen?
Normann Stadler:
Ich komme ja vom Laufen, war mehrmals badischer Crossmeister. Aber auf dem Land, wo ich groß geworden bin, musste man das Fahrrad nehmen, um rumzukommen. Mein Vater hat früh mein Talent gesehen und mich gefördert. Ich bin Radrennen gefahren und war sogar mal auf dem Sprung ins Telekom-Juniorteam. Ich bin aber froh, dass es dann doch nicht geklappt hat. Ein Radfahrer ist 360 Tage im Jahr unterwegs – und ich bin ein sehr familiärer Mensch. Der Triathlon gibt mir mehr Freiheiten.

Schwimmen haben Sie sich selbst beigebracht?
Normann Stadler:
Schwimmen war bei mir anfangs unterbewertet. Das nächste Schwimmbad, in dem ich trainieren konnte, war in Marktheidenfeld oder Würzburg, also eine ganze Ecke von Wertheim entfernt. Die größten Fortschritte habe ich dann im Verein gemacht. Allein kommt man bei dieser technischen Sportart nicht weiter.